Zuvor Demonstration gegen Nazis und Kapitalismus - Polizei fällt erneut durch brutalen Einsatz auf
Gegen einen bundesweiten Aufmarsch von über 400 Neonazis protestierten am Samstag in Arnstadt rund 300 AntifaschistInnen und versuchten diesen mehrfach zu stören, was durch eine brutal vorgehende Polizei unmöglich gemacht wurde. Zuvor zog die antifaschistische Demonstration "Nazis den sozialen Schafspelz ausziehen. Nationales Konstrukt und Kapitalismus angreifen", zu der die Gruppe Left Resistance Arnstadt [LRA] und die Autonome Antifa Koordination Thüringen [A²KT] mobilisierte durch Arnstadt. Ein zivilgesellschaftliches Bündnis der Stadtratsfraktionen und Gewerkschaften hielt lediglich zwei Kundgebung unter dem Motto "Bunte Vielfalt, statt braune Einfalt" ab.
Lautstark begann die antifaschistische Demonstration unter Sprüchen wie "Nazis morden der Staat schiebt ab - das ist das gleiche Rassistenpack" und "Nie wieder Deutschland" im Süden Arnstadts um eine vehemente Kritik an den deutschen und kapitalistischen Zuständen zu vermitteln. Wie es im Aufruf der Gruppe AG17 aus Erfurt heißt, muss "Wer von Kapitalismus spricht, [...] ihn als eine allumfassende verinnerlichte Totalität begreifen", in der alle Teil des Systems sind. Armin Degner, Pressesprecher der Gruppe [LRA] nach der Demonstration dazu: "Die Abschaffung des Kapitalismus kann nur die Abschaffung der Logik von Lohnarbeit und Mehrwert und des Konstrukts von Volk, Staat und Nation bedeuten. Es gibt keinen besseren Kapitalismus durch völkische, nationale und staatliche Ideologien. Vielmehr bedeuten diese eine Systemimmanenz, in der über Volksfeinde lamentiert wird, alle Deutschland sind und die Grenzen zwischen bürgerlichen und nazistischen 'Erklärungsmustern' letztendlich verschwimmen."
Redebeiträge thematisierten neben dem Wandel im Lifestyle der Rechten, außerdem die Nazistrukturen in der Region. Dabei wurde auf Naziangriffe der letzten Wochen in Suhl, Arnstadt und Meiningen, sowie auf die seit vier Jahren stattfindenden öffentlichen Nazikonzerte unter anderem in Jena und Gera aufmerksam gemacht.
Nach dem Ende der Demonstration bewegten sich die NazigegnerInnen Richtung Hauptbahnhof, dem Auftakt des Naziaufmarsches. Einheiten der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) stoppten diese jedoch, rissen einzelne Personen brutal zu Boden und nahmen diese in Gewahrsam. Im Laufe des Tages häuften sich diese Übergriffe der BFE und es gab mehrere Verletze. Dabei wurde u.a eine junge Frau von Polizisten geknebelt und nach Schreien ihr Gesicht auf die Straße gedrückt. Andere Polizisten behinderten einen Journalisten, der diese Szenen aufzeichnete und schlugen auf dessen Kamera ein. Das repressive Aufkommen von 900 Polizisten, welche schon Wochen vorher mit Wasserwerfen und Hubschraubern in der Stadt probte, errichtete überall Absperrungen, ging brutal gegen GegendemonstrantInnen und teilweise Unbeteiligte vor, machte direkte Proteste gegen die Nazidemonstration unmöglich.
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Entgegen dem Wunsch des Bürgermeisters, die Nazis einfach zu ignorieren und nur ein Friedensgebet zu veranstalten, gelang es mit der antifaschistischen Demonstration im Vorfeld Akzente zu setzen, die sich offensiv gegen den Naziaufmarsch und Etablierung von Nazistrukturen wanden. Angesichts der Vielzahl weiterer antifaschistischer Demonstrationen in Dessau, Berlin, Dortmund und Lübeck am gleichen Tag gelang es mehrere hundert TeilnehmerInnen für die Proteste zu gewinnen und mehrfach Nazis aus der Innenstadt zu vertreiben. Dass Arnstadt in den letzten eineinhalb Jahren immer häufiger zum Platz nazistischer Aktivitäten und Aufmärsche wurde, bestätigt die Notwendigkeit antifaschistischer Gegenwehr - aktiv und kontinuierlich gegen Nazis, rassistische Gewalt und extrem rechte Unterwanderung vorzugehen.
Gruppe Left Resistance Arnstadt [LRA]
Weitere Berichte
Bebilderter Bericht
Bericht der Antifa Gruppe Südthüringen[AgSt]
Bilder des Naziaufmarsches
Letzte Informationen
- EA / ERMITTLUNGSAUSSCHUSS: 03628/661577 (ab Samstag, 9:30 besetzt)
- INFOTELEFON: 0160/92774074
- Solikonzi kann morgen leider nicht statt finden, ausführliche PM in Kürze bei der JKGA
- Letzte Infoveranstaltung am 31.03.06 in Erfurt (siehe Termine)
Route der Neonazis:
Arnsbergstraße - Baumannstraße - Lessingstraße - Ohrdrufer Straße - Goethestraße (Kundgebung) - Eichfelder Weg - Auf der Setze - Schönbrunnstraße - Unterm Markt - Markt (Kundgebung) - Marktstraße - Erfurter Str. - Bustreff - An der Weise - Rosenstraße - Lessingstraße - Hauptbahnhof
- Karte über alle Veranstaltungen am 1.4: Hier
- Für Schlafplätze bitte mail an: demo
Am 1. April 2006 ist es wieder soweit:
Neonazis haben Arnstadt erneut zum Aufmarschgebiet erklärt. Diesmal wollen bis zu 500 rechte lemminge unter pseudosozialen Vorwänden durch die Stadt marschieren. Eine neue Kapitalismuskritik von rechts versprechen die Nazis in ihrem Aufruf. Dass sich dahinter alte nationalsozialistische Ideologie versteckt, versuchen sie zu verschleiern. Ebenso ihr gesamtes Auftreten in der Öffentlichkeit. Längst hat sich innerhalb der rechten Szene ein äußerlicher Wandel vollzogen. Mit neuen Outfits, einem Vorstoß in andere Subkulturen und Musikszenen sowie einer neuen Verpackung der alten Inhalte versuchen sie in peppiger Aufmachung insbesondere Jugendliche für ihre Ideologie zu rekrutieren.
Wir wollen mit einer antifaschistischen Demonstration ein kraftvolles Zeichen gegen extrem rechte Unterwanderung, Nazigewalt und Kapitalismus setzen.